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Informationen / Tipps für Kandidaten

Auszug aus dem Buch „Prognostisches Assessment” von Thomas Baumer, S. 21 ff.:
Soll man sich auf ein Assessment vorbereiten und kann man es zu seinen Gunsten beeinflussen?

Grundsätzlich ist es nicht notwendig, sich als Kandidat auf ein bevorstehendes Assessment vorzubereiten. Hilfreich ist, wenn man in ausgeruhtem Zustand erscheint und sonst darauf resp. auf eine allenfalls belastende Lebenssituation hinweist. Wichtig ist es, genau auf Fragestellungen zu achten und sich so zu geben, wie man ist, also sich zumindest bewusst nicht zu verstellen. Ein erfahrener Assessor merkt sowohl aus Testwerten wie auch aus Verhaltensbeobachtungen, wenn man sich anders oder „besser“ geben will – dies wird in der Fachsprache „Tendenz zur sozialen Erwünschtheit“ oder „Impression Management“ genannt. Je höher dieser Wert ausfällt, also je mehr man sich nach einer (tatsächlichen oder so eingeschätzten) Erwartungshaltung richten will, desto schwächer werden Greifbarkeit und Authentizität.

Auch interaktive Übungen wie Präsentationen oder Führungsgespräche sollen nicht vorgängig anhand möglicher (erwarteter) Anforderungen vorbereitet werden, da sie dann nicht dem persönlichen Stil entsprechen und uneinheitlich oder gar widersprüchlich werden. Wenn die Instruktionen beachtet, die Vorbereitungszeit strukturiert genutzt und die eigenen Überzeugungen und Ziele mit eingebracht werden, ist schon viel erreicht.

Falls dem Kandidaten in einem Assessment einzelne Aufgaben, z. B. aus einem früheren Assessment, schon bekannt sein sollten, oder falls er sich gezielt (mit Informationen von anderen Kandidaten) vorbereitet resp. bestimmte Übungen trainiert haben sollte, hat dies bei einem professionellen Assessment nur wenig bis keinen Einfluss, da dies i. d. R. erkannt wird: nicht nur die Resultate zählen, sondern auch das Vorgehen – durch Verhaltensbeobachtungen kommen Uneinheitlichkeiten resp. Ungereimtheiten meist deutlich zum Ausdruck, und manche Eigenschaften werden in mehreren Tests beurteilt. Wenn also in einem (vorbereiteten) Test ein sehr gutes Resultat, und in einem anderen Test, der die gleiche Eigenschaft überprüft, ein schlechteres Resultat auftauchen, wird nach den Gründen gesucht. Mit einer allenfalls gezielten und dem Assessor nicht mitgeteilten Vorbereitung werden also die Resultate weniger einheitlich, und falls dies dem Assessor nicht während des Assessments schon auffallen sollte (um Rückfragen zu stellen oder eine vertiefte Überprüfung zu veranlassen), schadet sich der Kandidat mit den uneinheitlichen oder gar widersprüchlichen Eindrücken selbst.

Es hilft, darauf zu vertrauen, dass das Assessment professionell durchgeführt wird. Falls dies nicht der Fall sein sollte, darf man ruhig Fragen stellen und sowohl dem Assessor als auch dem Auftraggeber Unklarheiten oder persönliche Eindrücke in geeigneter Form mitteilen.